Regulatorisches

Stromnetzanschluss und Netznutzung bei Power-to-Heat Contracting

Stromnetzanschluss und Netznutzung stellen im Rahmen der heute geltenden gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen mit die maßgebliche Herausforderung für eine wirtschaftliche Projektumsetzung dar. Beim „Netzanschluss“ ist die technische Zugangsvoraussetzung zum Netz entscheidend; d.h. eine physikalische Verbindung ist herzustellen, z.B. in Form eines Zählers.

Das EnWG nimmt Netzbetreiber in die Pflicht, Letztverbraucher zu angemessenen, diskriminierungsfreien und transparenten Bedingungen an ihr Netz anzuschließen. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat ein Positionspapier zur Erhebung von Baukostenzuschüssen (BKZ) für Netzanschlüsse im Bereich von Netzebenen oberhalb der Niederspannung veröffentlicht. Dieses Positionspapier legt fest, dass der Netzbetreiber einen BKZ erheben kann und es sich bei einem Baukostenzuschuss um eine einmalig vom Anschlussnehmer zu entrichtende Zahlung handelt, die dem Ausbau des allgemeinen Netzes zu Gute kommt und im Zuge der Anschlusserstellung erhoben wird. Die Höhe des Baukostenzuschusses basiert auf dem Leistungspreis der Netzebene und der bestellten Leistung. Die angenommene elektrische Leistung und Energie wird gemäß eines individuell abzustimmenden Anschluss- und Messkonzepts an separaten Zählern durch den örtlichen Verteilnetzbetreiber erfasst und grundsätzlich nur im Rahmen bestehender Verträge genutzt.

Im „Netznutzungsvertrag“ werden die zu zahlenden Netzentgelte festgelegt. Mit der Errichtung eines separaten Zählers wird der Power-to-Heat Contractor einen individuellen Netznutzungsvertrag mit dem Anschlussnetzbetreiber abschließen, der die Höhe des individuellen Netzentgeltes festlegt. Grundsätzlich ist das individuelle Netzentgelt in §16 StromNEV geregelt. Bei der Berechnung des individuellen Netzentgeltes ist zu beachten, dass diese i.S.d. §19 StromNEV unter die Sonderformen der Netznutzung, nämlich der atypischen Netznutzung fallen. Voraussetzung für eine atypische Netznutzung ist, dass eine verbraucherseitige Entlastung des elektrischen Energiebedarfs zu Spitzenlastzeiten vorliegt, d.h. wenn der Höchstlastbeitrag eines Letztverbrauchers von der zeitgleichen Jahreshöchstlast aller Entnahmen aus dieser Netz- oder Umspannungsebene erheblich abweicht (siehe §19 StromNEV). Bei atypischer Netznutzung sind verminderte Netzentgelte i.S.d. §19 Abs. 2 S. 1 StromNEV zu zahlen. Diese verminderten Netzentgelte wären allerdings gefährdet, sollte es genau dann zu einem Abruf beziehungsweise zur Erbringung negativer Regelenergie in dem Zeitpunkt der Spitzenlast kommen. Daher stellt die BNetzA klar, dass Leistungsspitzen, die durch die Erbringung negativer Regelenergie entstanden sind, bei der Ermittlung der in die Hochlastzeitfenster fallende Jahreshöchstlast nicht zu berücksichtigen sind. Diese Klarstellung ist wichtig, da somit solche Leistungsspitzen nicht zu einer höheren Jahreshöchstlast im Hochlastzeitfenster führen können. Damit wird sichergestellt, dass selbst ein Abruf zum Zeitpunkt der Spitzenlast den Anspruch auf verminderte Netzentgelte nicht gefährdet. Somit ist der Einsatz einer Power-to-Heat Anlage zur Erbringung von Regelenergie ganzjährig möglich.

Eine Projektrealisierung kann entsprechend immer nur auf Grundlage projektspezifischer Netzanschluss und Netznutzungskonzepte erfolgen. Diese bedürfen einer intensiven und detaillierten technischen und vertraglichen Analyse.

Schutzvorschriften und Genehmigungen für Power-to-Heat Anlagen

Für die Errichtung einer Power-to-Heat Anlage wird keine BImSchG Genehmigung, sondern lediglich eine Baugenehmigung benötigt. Hintergrund ist, dass ein Elektrodenkessel keine Feuerungswärmeleistung hat. Außer minimalen Geräuschen der Umwälzpumpe hat die Anlage keine Emissionen. Zum Betrieb der Anlage ist ein Erlaubnisverfahren nach §13 Betriebssicherheitsverordnung notwendig. Danach sind alle 72 Stunden eine Inspektion durch einen Kesselwärter (BOB 72 Betrieb) sowie regelmäßige Kontrollen der Qualität des Speisewassers und jährliche Wartungen durch den Hersteller gefordert. Aus Gründen des Brandschutzes werden 5m Abstandsflächen und mindestens 10% Druckentlastungsflächen im Kesselhaus notwendig. Der Lärmschutz wird vom Contractor durch die Gebäudehülle des Kesselhauses sowie Schalldämpfer auf den Notablassventilen sichergestellt.