HTW-Studie: Sektorkopplung erfordert mehr erneuerbaren Strom als bislang gedacht 

Eine neue Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin offenbart einen höheren Bedarf an Strom aus erneuerbaren Energien als bisher gedacht. Ursache ist die fortschreitende Sektorkopplung, die in vielen Studien bisher nicht ausreichend berücksichtigt wurde.  

Die HTW-Wissenschaftler rund um Professor Volker Quaschning haben errechnet, dass der Bedarf an erneuerbar erzeugtem Strom bei jährlich rund 1.320 Terrawattstunden liegt und damit doppelt so hoch wie heute. Schließlich wird künftig auch ein großer Teil des Energiebedarfs in den Sektoren Wärme und Transport durch elektrischen Strom aus Solar- und Windkraftanlagen gedeckt werden müssen. Nur so ließen sich die Klimaschutzzusagen aus Paris einhalten.

Volker Quaschning setzt dabei stark auf die Photovoltaik, ihre Leistung muss seiner Meinung nach bis 2040 verzehnfacht werden – von derzeit 40 auf 400 Gigawatt. Das bedeutet auch, dass jährlich Photovoltaik-Anlagen mit 15 Gigawatt in Deutschland neu installiert werden müssten – nicht wie derzeit geplant 2,5 Gigawatt. „Eine solche Steigerung ist natürlich in der Realität nicht umsetzbar, aber sie zeigt einen wichtigen Aspekt“, sagt Dr. Philip Mayrhofer, Mit-Geschäftsführer von ENERSTORAGE. „Den Ausbau erneuerbarer Energien abzuregeln anstatt daran zu arbeiten, wie wir die Zeit bis zum adäquaten Netzausbau überbrücken, läuft dem Ziel der Energiewende grundsätzlich zuwider.“

Die Bedeutung der Sektorkopplung wird daher auch derzeit auf verschiedenen Ebenen und Pilotprojekten vorangetrieben. So zum Beispiel im BMWi-Förderprogramm „Schaufenster intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende“ (SINTEG). In dem SINTEG-Projekt „NEW 4.0“ soll gezeigt werden, wie die Gesamtregion Schleswig-Holstein bereits 2025 sicher und zuverlässig mit 70 Prozent regenerativer Energie versorgt werden kann. Ziel ist insbesondere ein effizienter Umgang mit lokalen Stromüberschüssen, etwa durch Power-to-Heat. Die Power-to-Heat-Technologie ist die derzeit wirtschaftlichste und effizienteste Technologie zur Verknüpfung von Strom- und Wärmesektor. ENERSTORAGE hat zusammen mit den SWN Stadtwerken Neumünster bereits in Schleswig-Holstein eine Power-to-Heat-Anlage errichtet. Hier soll noch 2016 durch die Teilnahme am Regelenergiemarkt Überschussstrom aus dem Netz genommen und in die Fernwärme überführt werden.

Die HTW-Studie „Sektorkopplung durch die Energiewende“ finden Sie hier.